Europäische Verbraucherzentren legen Jahresbericht für 2007 vor

Europäische Verbraucherzentren legen Jahresbericht für 2007 vor


Pressemitteilung 07.05.08

Europäische Verbraucherzentren legen Jahresbericht für 2007 vor \ Zwei von fünf Fällen in der EU liefen über den Knotenpunkt Kehl

Nochmals ein „Rekord“ und fast eine Verdoppelung: Es wurden 1.271 Streitfälle mit deutscher Beteiligung behandelt - nach 666 im Vorjahr

Kehl - Im vergangenen Jahr waren die beiden Europäischen Verbraucherzentren Deutschland und Frankreich in Kehl zusammen an der Behandlung von 40 Prozent aller Fälle beteiligt, in denen sich Verbraucher wegen grenzüberschreitender Rechtsstreitigkeiten mit Anbietern an das Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net) wandten.

Das geht aus dem Jahresbericht von EURO-INFO-VERBRAUCHER e.V. hervor, der heute am gemeinsamen Sitz der Zentren veröffentlicht wurde. Somit liefen zwei von fünf Fällen aus 27 EU-Staaten sowie zusätzlich Island und Norwegen über Kehl als „Knotenpunkt“.

Die Geschäftsführerin von EURO-INFO-VERBRAUCHER e.V., Dr. Martine MÉRIGEAU, wertet dies als Beleg für den Stellenwert, den der Standort vor den Toren Straßburgs gewonnen hat: „Kehl ist für den Verbraucherschutz in der EU eine wichtige und die richtige Adresse.“

Knapp 70 Prozent der Fälle gütlich gelöst

Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl betreute im vergangenen Jahr 1.271 grenzüberschreitende Verbraucherrechts-Streitigkeiten und damit bald noch mal so viele Fälle wie im Jahr davor. Damals waren es 666, im Jahr 2005 512 Fälle gewesen.

Das Europäische Verbraucherzentrum Frankreich bearbeitete im vergangenen Jahr 773 grenzüberschreitende Verbraucherrechts-Streitigkeiten.

Von den über 2.000 Fällen, die sich für Kehl insgesamt ergeben, konnte wiederum knapp die Hälfte (49 Prozent) gütlich gelöst werden. Betrachtet man hingegen, um eine Erfolgsquote zu berechnen, allein die Fälle, die für eine gütliche Lösung auch in Frage kamen, zieht man also Betrugsfälle und Forderungen, die sich als unberechtigt erwiesen, ab, dann beträgt die Quote erfolgreich gelöster Fälle knapp 70 Prozent.

„Ein Vorteil Europas, den die Menschen spüren“

Dass in derart vielen Fällen auch über große Distanzen hinweg Vertrauen zwischen Verbrauchern und Anbietern wieder hergestellt werden kann, ist für Dr. Martine MÉRIGEAU „erfreulich und zugleich ein Beleg für die unverzichtbare Rolle von Verbraucherschützern“, die da zum Einsatz kämen, wo der Kundenservice von Unternehmen versage oder Verbraucher vor unüberwindbaren sprachlichen Barrieren stünden:

„Unsere Juristen kennen sich umfassend mit dem EU-Recht aus und damit, wie es national jeweils umgesetzt wurde. Wenn es um ein Länder übergreifendes Problem geht, helfen wir Betroffenen, es außergerichtlich zu lösen. Das ist ein großer Vorteil Europas, den die Menschen spüren. Und die Rat Suchenden nutzen unseren Service!“.

Informationsanfragen zum eCommerce und eine vielbeachtete Preisstudie

Der in Kehl vorgelegte Jahresbericht von Euro-Info-Verbraucher e.V. beschreibt neben den Aktivitäten der beiden Europäischen Verbraucherzentren die zweier weiterer Einrichtungen, die unter seinem Dach arbeiten:


Die eCommerce-Verbindungsstelle Deutschland - vom Bundesministerium der Justiz beauftragt, Nutzer und Anbieter des Internet in rechtlichen Fragen des elektronischen Geschäftsverkehrs aufzuklären – verzeichnete einen Zuwachs an Informationsanfragen um nochmals 20 Prozent von zuletzt 360 auf nunmehr 433.

Der Grenzüberschreitende Service für die Region am Oberrhein widmete sich Problemen elsässischer Hausbauer mit deutschen Baufirmen, veranstaltete einen Informationsabend zum Immobilienerwerb mit enormer Resonanz unter Franzosen und warb für strengere Vorschriften in deutschen Sonnenstudios.

In der öffentlichen Wahrnehmung 2007 nahm die umfangreiche deutsch-französische Preisvergleichsstudie breiten Raum ein. Sie kam mit Unterstützung des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg und der Chambre de Consommation d’Alsace zustande und umfasste knapp 400 Produkte.

Der Online-Handel tritt neben den klassischen Handel

Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl beobachtet, dass der Online-Handel immer stärker neben den klassischen Handel tritt: In zwei von drei Streitfällen (64,7 Prozent), die das Zentrum im vergangenen Jahr behandelte, hatten Verbraucher grenzüberschreitende Kaufverträge online abgeschlossen - in Zahlen: 822 der insgesamt 1.271 Verbraucher-Rechtsstreitigkeiten.

Die Juristen in Kehl vermuten, dass vielen Online-Shoppern gar nicht mehr bewusst war, dass sie am Bildschirm Ländergrenzen überschritten, zumal dann nicht, wenn ihnen die Produkte in ihrer Sprache angeboten wurden.

Adressaten der Beschwerden waren in vier von fünf der behandelten eCommerce-Fälle allerdings Online-Shops in Deutschland, die demnach offenbar viele Bestellungen aus dem EU-Ausland erhalten.

Tür-an-Tür-Kooperation verkürzt die Wege auch für betroffene Verbraucher

Für Jutta GURKMANN, Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland, macht sich hier die Zusammenarbeit unter dem Dach von EURO-INFO-VERBRAUCHER e.V. bezahlt: „Dass wir EU-Verbraucherschützer uns hier in Kehl jeden Tag miteinander und außerdem mit dem Experten der eCommerce-Verbindungsstelle über Trends und Tricks austauschen können, die sich im Internethandel abzeichnen, ist eine besondere Stärke dieser Tür-an-Tür-Kooperation.“

Zudem helfe jede Einrichtung der anderen, um Rat Suchende – wann immer nötig - in die eine oder in die andere Richtung zu vermitteln, zum Beispiel zum Médiateur du Net in Paris, die sich als Online-Schlichtungsstelle auch um deutsche Verbraucher kümmert, wenn diese mit einem französischen Online-Anbieter über Kreuz liegen.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 bot den Kehler Einrichtungen, wie vor gut einem Jahr angekündigt, Anlass, Inhalte und Anliegen des europäischen Verbraucherschutzes einem breiten Publikum vor Augen zu führen.

Kontakte und Konferenzen für Politik und Öffentlichkeit

Am 15. Juni gab es ein Rendezvous mit Bürgern und politischen Entscheidungsträgern am Brandenburger Tor in Berlin, tags zuvor eine internationale Konferenz, zu der Peter Hauk als Vorsitzender der Verbraucherschutz-Ministerkonferenz und das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland geladen hatten.

Dabei besprachen die Europäischen Verbraucherzentren mit Vertretern von zuständigen Behörden aus ganz Europa, wie man Flugreisenden, Touristen und Kunden von Online-Shops gemeinsam besser dabei helfen kann, ihre berechtigten Ansprüche gegenüber uneinsichtigen Unternehmen durchzusetzen.

Der Kontakt zu Fachausschüssen des Europäischen Parlaments und zu nationalen Volksvertretern wurde abermals dazu genutzt, der Politik Erfahrungen aus der Beratungspraxis zurück zu melden. Im Herbst war das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland dabei behilflich, eine Reise von Parlamentariern und Verbraucherschutz-Experten nach Dänemark zu organisieren.

Neue Kürzel für die Kehler Webadressen

Der seit der Gründung des Trägervereins 1993 mit der Endung .com versehenen Webadresse, unter der auch die beiden Europäischen Verbraucherzentren erreichbar sind, wurde eine eu-Endung gegeben – dies nicht zuletzt, um den nicht-kommerziellen Charakter der Einrichtung hervor treten zu lassen.

Die Seite www.euroinfo-kehl.eu nutzten 2007 noch einmal mehr Besucher als im Jahr davor: über 340.000 - nach zuletzt immerhin auch über einer Viertelmillion.

Die eCommerce-Verbindungsstelle Deutschland in Kehl hat ihre Webadresse ebenfalls leicht geändert: Wer will, braucht lediglich www.ecom-stelle.de einzugeben, um zahlreiche Informationsangebote zum eCommerce abzurufen. (qui)

Zum Jahresbericht 2007 (PDF) - zu finden außerdem unter Wir über uns / Jahresberichte